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"Saufen, kiffen, kotzen, ficken..."

Filmplakat für den 1970er Film "I am a Groupie", zu bestellen im Netz. Dieses Bild mfG von www.impawards.com 

Die 70er...hach was waren das für Zeiten! Man möchte fast nostalgisch werden beim Anblick 11-jähriger Eddingkinder auf den aktuellen Boygroupkonzerten.

Damals, ja damals: Da wurden Roadies, Türsteher, Caterer, Tourmanager, Securities, Garderobenguys und Taschenträger wahllos geknallt um endlich ans Ziel zu gelangen: der Rockstar! Heute schreiben sich die Wannabe-Lolitas "Bill fick mich!" auf die Stirn und schwenken zusammen mit der besten Freundin ein Plakat mit der Aufschrift "Wir wollen eure Schwänze sehen!". 

Nun mal abgesehen von der Tatsache, dass genau diese Mädchen mit dem Anblick eben jener völlig überfordert wären, drängt sich da vor allem eine weitere Frage auf. Wie ist das eigentlich so weit gekommen... sind´s die Dollies? Ist´s die in einem anderen als dem oben zitierten Wir Sind Helden Song grandios parodierte Frau Biedermann mit ihrer idiotischen Erotik? Bauchfrei, hirnfrei, lästerte Mittermeier über H&M-Verkäuferinnen - doch außer Pro7 Spezie Olli Pocher ist es fast jedem anderen Comedian schon zu unlustig geworden, über genau diese Next Generation Groupies herzuziehen.

Groupies, soviel steht fest, sind die Mädels definitiv nicht. Und Groupie, auch das muss man wissen, ist heute kein Schimpfwort mehr. In sämtlichen Kinderforen von Knuddels über US5 wimmelt es nur so von "TomGroupie"s, "Edelgroupie"s und, ganz ausgesprochen beliebt: "vIpGrOuPiE"s.

Das ist das zweite Kennzeichen des Trends. Nicht der unbedingte Wille, den Star "näher kennen zu lernen" (hust, hust). Sondern: der unbedingte Wille zur Selbstdarstellung. Auf Myspace basteln sich diese Herzchen mit dutzendfachen Ausführungen derselben schiefer-Blick-in-die-Kamera-mit-SmokeyEyes-und-Knutschlippen-Fotos und einem wahren Netzwerk an VIP Kolleginnen die eigene Fanpage. Wen interessiert da schon ernsthaft eine Band? Ingolf Lücks "Gomm ich getz int Fernsehn?" haben sich diese Mädchen auch schon selber beantwortet: natürlich! Vorbei die Zeiten, in denen die Köpfe weggedreht und eine Hand verschämt vors Gesicht gehalten wurde beim Anblick einer Fernsehkamera. Nein, hin! Hin! Ich! Ich!

Der erneute Run auf die schon mehrfach totgesagten Castingsshows nimmt trotz für jedermann ersichtlicher Kurzkarriere kein Ende, und die Kommentierung des eigenen Rausflugs einer Kandidatin der letzten Popstars Staffel ("Was soll man denn sonst machen?!" ist katastrophal witzig, aber leider bezeichnend. Mädchen, die es "geschafft" haben, das sind heute diejenigen, die bei VIVA, MTV oder RTL II ein Treffen mit der Band gewonnen haben. Nicht unbedingt, weil diese sich 15 Minuten lang zwischen Garderobe und Konzert persönlich bei den so heißblütig verehrten Stars ein Autogramm und Foto abholen kann, sondern weil über sie nun gesprochen wird. In den Fanforen, in den Chats.

Schnell wird die ehemals noch gleichberechtigte Groupiekollegin allerdings im feinsten deutschen Neidgehabe niedergemacht, doch auch die Zeiten, in denen derlei Mobbing jede Betroffene von der entsprechenden Seite vertrieben hätte, sind vorbei. "Ihr nennt mich Schlampe? Ich ficke euren Stolz!" wird in der Signatur gekontert und die eigene Fanbase der Möchtegern-Groupies unterstützt fleißig mit, in der Hoffnung, sich im Starruhm der VIP Schlampe mitsonnen zu dürfen.

Woran krankt es da eigentlich? Das Thema ist, denkt man nur mal ein wenig darüber nach, eigentlich zu erschreckend, um zynische Kolumnen drüber zu schreiben. Denn die Frage, auf die es hier hinausläuft ist: woran fehlt es diesen Mädchen? An echtem Selbstbewusstsein. An Aufmerksamkeit. Nichts weiter. Wer sich stylt wie Paris Hilton, wer damit angeben kann, wen er getroffen hat, wer mit Aggro-Sprüchen wie dem weiter oben angeführten um sich schmeißt, dem fehlt es offensichtlich an Anerkennung aus der peer group.

Nicht nur der Mensch (siehe "Ich kann das auch alleine!", sondern insbesondere der Teenie ist ein Herdentier. Außenseiter sein will niemand - bewundert werden will jeder. Und wie helfen wir diesen Mädchen aus ihrer Persönlichkeitskrise? In den meisten Fällen erledigt sich die Sache von selbst. Spätestens nach dem Schulabschluss beginnt der Ernst des Lebens, der so manchen mit Anlauf auf die Schnauze knallen lässt, der sich als VIP fühlt. Gottseidank.

Wünschen wir den Bills, Toms, Richies und Justins dieser Welt noch viel Spaß. Solange die eigenen Fans derartig krampfhaft ins Rampenlicht möchten, dürft ihr noch herhalten als Projektionsfläche faneigener VIP Träume. Tut der ein oder anderen den Gefallen und lächelt gemeinsam mit ihr in die Kamera, aber sucht euch zu eurem eigenen Vergnügen wenigstens die aus, die den längsten Rock, den schlabbrigsten Pulli, die dickste Brille und die hässlichste Zahnspange tragen. Ein Dankeschön im Voraus.

PS: Nein, ich tue keinem der oben beschriebenen Mädels den Gefallen, diese Kolumne mit einem ihrer durch Googlen zahlreich zu findenden Bildchen zu verschönern. Ha!

PPS: Das VIPgroupie-Dasein ist offensichtlich nicht altersbeschränkt, nur beschränkt. Das australische Filmfestival zeigte 2006 einen Film über Mittzwanziger Football-Groupies, die hier allerdings real stattgefunden Sex zur Selbstdarstellung frank und frei zu Markte tragen. Wen´s interessiert, der sucht, z.B. über die Website des Sydney Morning Heralds.

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Nächstes Mal: 

"SWING another Day!"

14.12.08 20:00
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Laila (14.12.08 20:27)
DU BIST WIEDER DAAAAAAAA!!


krankhaft-tot / Website (15.12.08 20:50)
Juchu .
Alte Formen,
alte zeiten,
alte Leidenschaft.
Schön, hier wieder was zu lesen, und wie immer, geniales natürlich!

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